Die Schule Deines Lebens - Unsere Kursgeschichten

Haben Sie heute schon etwas gelernt? Und weiter erzählt? 

Wir sammeln die Erfahrungen und Erlebnisse unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auf diesen Seiten präsentieren wir Ihnen eine kleine Auswahl. 

Hier werden wir die Geschichten von Ihnen, von unseren Teilnehmerinnen, Lernbegeisterten und Bildungshungrigen vorstellen. Wir zeigen Ihnen, dass die Volkshochschule mehr ist, als nur .... 

Die Frauen und Männer erzählen, was sie noch lernen möchten oder berichten über Begegnungen. Unser Programm spiegelt in jeglicher Form Vielfalt wider: Die verschiedenen Bildungsangebote bringen unterschiedliche Menschen - mit unterschiedlicher Herkunft und Altersstruktur - zusammen.  


Das Leben hat viel zu bieten. Greifen Sie zu.

40 Jahre auf Erkundung

Die Unterlagen ihres ersten VHS-Kurses liegen noch zu Hause in einem Schub: Tintennotizen über die Typologie des Menschen – über das Gedächtnis, die Wahrnehmung und das Bewusstsein. „Das hat mich wahnsinnig interessiert“, erzählt Christa Lampe. 40 Jahre ist das nun her. Seitdem hat sie Jahr für Jahr im Frauenkurs 08 neue Themen erkundet und vieles ausprobiert. „Drei Jahre habe ich zum Beispiel Ikebana-Arrangements gestaltet. Wir haben auch mal selbst Hautcreme gemixt. Da gibt es noch Fotos, auf denen wir mit der Creme geschminkt sind“, berichtet sie.     
Mit 37 Jahren hat sie den ersten Kurs belegt. „Die Kinder waren aus dem Gröbsten raus. Ich dachte, nun könnte ich mal mein Englisch aufbessern. Doch es wurde dann viel interessanter.“ Nachhaltigen Eindruck hinterließ zum Beispiel eine Ausstellung über die Meisterwerke der Makonde. Inzwischen stehen bei ihr zu Hause über 35 Ebenholz-Figuren des afrikanischen Volkes. Christa Lampe trainierte Rhetorik, erhielt Einblick in ferne Länder und Sitten, malte Aquarelle und diskutierte über Kunst und Politik. Zuletzt beschäftigte sich die Klasse mit TTIP und DDR-Literatur. 
Gemeinsam mit ihr besuchen vier weitere Frauen seit 40 Jahren den Frauenkurs. „Wir sind geblieben, weil es so interessant war – weil die Lehrenden engagiert sind und untereinander eine große Verbundenheit entstanden ist.“ Sie wage es nicht, dem Unterricht fernzubleiben, ohne sich abzumelden, sagt sie lächelnd. „Sonst wird gleich nachgeforscht: Ist alles in Ordnung? Dann klingelt das Telefon.“         

„Körperliche Weite“ durch Yoga

An die „Yoga-Stimme“ musste sie sich erst gewöhnen. „Da wird eher gesäuselt als gesprochen. Viele Wörter werden langgezogen“, erzählt Sabrina Kasparek. Doch die beruhigende Ansprache hatte schnell Wirkung: „Nach dem ersten Treffen fühlte ich mich befreit, entspannt und leicht. Ich hatte das Gefühl, besser durchatmen zu können. Da war so eine körperliche Weite“, so die 26-Jährige.
In der Woche arbeitet sie als Sekretärin in der Qualitätssicherung bei VW. Überwiegend sitzend also. Sie suchte einen Ausgleich – und einen Kurs, um es sich nach der Arbeit gutgehen zu lassen. „Yoga und Entspannung“ begann mit Atemübungen zum Runterkommen. „Dann heißt es zum Beispiel: Alle Sorgen sind lange weiße Wölkchen. Die ziehen vorbei“, so Sabrina Kasparek. „Die Gruppe liegt auf Matten, Decken dabei und Plüschsocken. Man fühlt sich gleich wohl und warm. In der Mitte liegt eine Decke mit Kerzen und Blumen, auf die man sich konzentrieren kann. So wird man nicht abgelenkt. Der Kurs verbindet Entspannung und bewusstes Atmen mit Bewegung und Dehnung.“ 
Zu Beginn hatte sie tags darauf Muskelkater. Doch das legte sich. Im Alltag merkte sie dann, dass die Übungen ihrem Rücken gutgetan haben. Sie fühlte sich ausgeruht. „Der Kurs war wöchentlich montags. Montagabend hatte ich immer supergute Laune.“

Job-Chancen verbessern

Der Deutschkurs B1 ermöglichte ihm, sich zurechtzufinden. Was ist am Bahnhof, im Supermarkt und auf dem Amt zu beachten? Wie vereinbart man Termine? Wie stellt man sich vor? „Der Kurs war wichtig für die Integration“, berichtet Chukwunenye Oji. Nun schloss er noch einen berufsbezogenen Deutschkurs an. „Das ist mein Versuch, hier eine gute Arbeit zu finden. Je besser ich Deutsch kann, desto größer ist die Chance.“ 
In Nigeria wurde der 43-Jährige zum Finanzmanager ausgebildet. Dieses Studium ist in Deutschland anerkannt. In Wolfsburg hofft der Flüchtling nun auf ein besseres Leben. 2012 erhielt er die Aufenthaltserlaubnis. „Der neue Kurs hat mir schon viel gebracht“, erzählt er. „Ich weiß jetzt zum Beispiel, wie man eine Bewerbung schreibt. Ich kann Angebote erstellen und Rechnungen schreiben und habe größere EDV-Kenntnisse. Das war mein Wunsch. Bisher hatte ich nur Grundkenntnisse in Excel.“ Vertieft wird das Wissen durch ein fünfwöchiges Praktikum in der Volkshochschule. „Ich arbeite in der Verwaltung. Jeden Tag gibt es eine neue Aufgabe: zum Beispiel Einscannen oder Fahrtkosten und Rechnungen bearbeiten. Gerade helfe ich bei der Inventur.“ Über die Mitarbeiter und die Lehrerin berichtet er nur Gutes: „Sie sind sehr nett. Alles wird ruhig und anschaulich erklärt, egal wie viele Fragen jemand hat.“ Über Wolfsburg sagt er: „Das ist eine schöne kleine Stadt.“          

Reise buchen, E-Mail schreiben

Mit 68 fasste Klaus Plich einen wichtigen Entschluss: „Jetzt kümmerst du dich mal um dich selbst. Jetzt gehst du schwimmen, laufen, tanzen und merkst, wie schön das Leben sein kann.“ Dazu ein lange geplantes Vorhaben: sicherer am Laptop werden – Word und Powerpoint beherrschen und die Scheu vor dem Internet verlieren. „Ich kann nicht stehen bleiben, wenn das Leben weitergeht“, so der 73-Jährige.
Klaus Plich arbeitete als Stuckateur und Krankenpfleger. Er war Thekenkellner und überführte Autos. „Alles wunderbare Jobs, aber ich habe mehr gearbeitet, als ich sollte.“ Der PC-Club 55+ ist für ihn nun Entspannung: „eine fröhliche Gesellschaft.“ Ihm gefällt, dass es kein strenger Kurs mit starrem Ablauf ist. Jeder kann Themen vorschlagen, die ihn interessieren. „Wir sitzen alle an einem eigenen Computer. Was der Dozent vorführt, wird auf eine Leinwand übertragen. Er hat eine ruhige, ausgeglichene Art – jederzeit zu Korrekturen bereit, wenn man ein Knöpfchen gedrückt hat, und alles ist wieder schwarz.“ In den ersten Stunden buchte die Gruppe zum Beispiel eine Reise und schaute sich an, wie man eine E-Mail schreibt. „Wir haben uns auch Videos von Städten angesehen.“ Für zu Hause wurde eine Anleitung mitgegeben: Erste Schritte im Internet. „Ein angenehmes Tempo“, so Klaus Plich. „Der Kurs gibt mir die Sicherheit, die ich mir wünsche.“

Kindheitswunsch erfüllt

Was sie mal werden möchte? Natali Alwarski wusste es seit der fünften Klasse in Kasachstan: Lehrerin. „Zwei Lehrerinnen waren mein Vorbild. Vor allem meine Deutschlehrerin habe ich über alles gemocht. Ihr war es wichtig, dass wir mit allen Sinnen lernen“, erzählt sie. Sie studierte Deutsch als Fremdsprache und unterrichtete sechs Jahre lang. 2001 zog sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Und versuchte auch hier, als Deutschlehrerin zu arbeiten. Doch es wurde ein langer Weg. Zunächst war sie Bürokraft beim Naturschutzbund, Dolmetscherin, Hostess im Ritz-Carlton und arbeitete beim Jugendmigrationsdienst der Diakonie. Nebenbei unterrichtete sie indes ehrenamtlich Deutsch: „Ich wollte helfen – und es war mir wichtig, im Traumberuf zu bleiben.“ 2015 dann endlich eine Stellenanzeige der VHS. Im Oktober wurde sie eingestellt. Natali Alwarski unterrichtet nun Deutsch als Fremdsprache und begleitet Teilnehmer, die einen berufsbezogenen Sprachkurs belegen, durch Jobcoaching und Beratung. Zudem lehrt sie Deutsch für Deutsche – etwa für Teilnehmer, die bislang nicht Deutsch schreiben können. „Mein Motto ist: Mit Leidenschaft leben. Ich unterrichte auch mit Leidenschaft“, so die 39-Jährige. „Die Teilnehmer sollen Spaß am Lernen haben und das neue Wissen konkret nutzen können.“ Über sich sagt sie: „Seit ich hier bin, bin ich glücklich und viel entspannter. Ich bin in dem Job, den ich immer machen wollte.“   

Kursgeschichten 2015

Auf Kunstreise durch Wolfsburg

(c) LichtBild-Atelier.de

An einem Sonntag sah sie im Fernsehen plötzlich einen Currywurst-Bus und Tannenbäume, die kopfüber von der Decke hängen. „Ich habe gerufen: Das kenne ich schon. Ich war richtig glücklich“, erzählt Karin Bätje. Die 68-Jährige nimmt an einem besonderen Projekt teil: „Augen-Blick-Mal…!“ bringt Menschen mit Beeinträchtigung Kunst näher und macht sie erfahrbar – bei einer Kunstreise, die auch zu Werken von Erwin Wurm führte.

„Wir gehen ins Kunstmuseum, in die Städtische Galerie und ins Stadtmuseum. Dort sitzen wir im Kreis um Fotos, Statuen oder Gemälde. Dann erzählen wir:
Wer könnte das sein? Was macht er? Was wünscht er sich? Daraus entstehen oft ganz einzigartig „verrückte“ Geschichten“, so Karin Bätje. Die Geschichte
wird aufgeschrieben. Dazu malt die Gruppe. Nach und nach füllt sich so für jeden ein persönliches Buch. Darin sind auch Fotos und Geschichten aus dem eigenen
Leben. In der Gruppe wird zum Beispiel über das Wohnen, die Familie, die Arbeit und Lieblingsgegenstände erzählt oder es entstehen Scherenschnitte und Selbstporträts.
Das Projekt ebnet den Weg zu kultureller Teilhabe und regt durch Biografiearbeit zur Selbstreflexion an. „Vorher war ich nur einmal in einer Puppenausstellung“,
berichtet Karin Bätje. „Am Anfang war hier alles komisch. Alles neue Gesichter. Jetzt macht es so viel Spaß – am liebsten würde ich gar nicht aufhören.“

Entspannt durch Aquarellmalerei

(c) LichtBild-Atelier.de

Fünf eigene Bilder in einer Ausstellung: Das war für Elena Schräder ein besonderer Moment. Die Präsentation ausgewählter Werke gehört fest zum Aquarellmalerei-Kurs dazu – ebenso wie ein Ausflug am Semesterende. „Im Sommer waren wir in einem Bremer Museum, im Winter im Kunstmuseum“, erzählt die 41-Jährige.  

Bis sie 17 war, hat die gebürtige Moskauerin fast täglich mit Blei- und Buntstiften gemalt: „Ich habe lieber gelesen und gemalt als draußen getobt.“ Im Berufsleben und als Mutter von zwei Kindern verlor sie das Hobby dann allerdings aus den Augen. „Nun sind die Kinder älter, und ich habe wieder ein bisschen Zeit für mich.“ So tastete sie sich an eine neue Maltechnik heran. „Gelernt habe ich zum Beispiel, wie man Farben mischt, dass man zunächst helle Farben aufträgt und sich ins Dunkle vorarbeitet und dass Korrekturen nur bedingt möglich sind. Es gibt immer wieder gute Tipps, etwa zu Schatten und Kontrasten.“ Die Gruppe sei nett. In der Regel wird ruhig gearbeitet. „Es entspannt mich. Die Gedanken sind weg, man konzentriert sich.“ Ihre Lieblingsmotive sind Tiere und Natur. Aber sie malte zum Beispiel auch schon Glaskaraffen, die Fallersleber Kirche und Martin Winterkorn. Im dritten Jahr ist Elena Schräder nun dabei – und wird noch eine Weile im Kurs bleiben: „Meine besten Bilder habe ich noch nicht gemalt.“