Unter dem Titel „Mythendämmerung“ stellte die Künstlerin Kristina Brandrup-Küster ausgewählte Stücke in der Volkshochschule Wolfsburg, Porschestraße 72 aus.

„Erde und Kosmos“, meint sie, „haben viele Erscheinungen, die uns atemlos und demütig machen. Sie erscheinen uns magisch und verknüpfen das Dasein der Menschen mit dem Göttlichen. Dieses Gefühl versuche ich dann zu porträtieren und festzuhalten.“ So tritt man zu auf tiefes, farbdurchwirktes Blau, besetzt mit goldenen Muscheln und Perlen, die in die Tiefe eines fröhlichen Ozeans sinken, oder Frauengestalten, die sich gegenseitig in kühler Strenge zu betrachten scheinen. Hier braucht es nur einen Hauch von Fantasie, um weiter zu spinnen: Die Meerjungfrau, die zu Schaum wird, die Göttin der Jagd und des Mondes, Licht- und Sturmbringer, Phänomene, die unerklärbar sind, Erscheinungen, die nur durch einen Funken oder aus dem Augenwinkel für Menschen sichtbar sind und nur in Erzählungen Gestalt annehmen.

Bei näherem Hinsehen wird deutlich, dass Kristina Brandrup-Küster in erster Linie eine Verbindung zur nordischen Mythologie aufgetan hat: So spinnen die drei Nornen in tanzender Eleganz den Lebensfaden oder stehen als Schattenschemen vor einem finsteren Ozean, in dem eine blutrote Sonne versinkt und der Termin für Ragnarök schon fest im Kalender zu stehen scheint. Die Göttin Hel, die der Mythologie nach die Unterwelt regiert, ist in drastischem Burgunder porträtiert. Die Entkörperung ist nahezu greifbar. Hugin und Munin, die Raben Odins, mustern sich gegenseitig in kühlem Weiß-Blau: Partnerinnen, Konkurrentinnen, stark und unnachgiebig. Ob stimmungsvolles, violettes Zwielicht oder goldgrünes Funkeln – die Künstlerin schafft mit ihrer Farbigkeit Stimmungen, die man sofort wiedererkennt: das letzte Licht über der Wiese im Sommer, das unerklärliche Funkeln des Sommers im Wald, das Meer kurz vor Einbruch der Nacht an den kurzen Tagen des Jahres.

Trotzdem ist die Stimmung leicht. Vielleicht liegt es an den kunstvoll in die Bilder eingearbeiteten Schätzen, die das Markenzeichen der Künstlerin sind. Vielleicht liegt es an den fröhlichen Schmetterlingen, die locker in die Ausstellung eingearbeitet wurden. Vielleicht liegt es aber auch an dem wohltemperierten Wechselbad der Gefühle, das einen von einem Bild zum nächsten trägt – in der Erwartung des nächsten Mysteriums. Die Ausstellung „Mythendämmerung“ endete mit einer Finissage und einem heiteren Rundgang durch die Ausstellung, den die Künstlerin selbst ein letztes Mal (an)führte und ihre Gäste bei einem Umtrunk zu Gesprächen einlud.